EUROPA BEWEGEN

Jeden Tag zu Zielen in ganz Europa: Mit drei Eurohubs in Überherrn, Bratislava und Clermont-Ferrand bündelt Dachser Stückgut für den paneuropäischen Linienverkehr wenn es keinen Direktverkehr gibt. Und das mit immer besseren Laufzeiten und europaweit einheitlichen Qualitätsstandards.
Der Tag beginnt um 0.00 Uhr. Und dann gleich richtig. Schlag Mitternacht verlassen die ersten Lkw die Laderampen. Bis 2.00 Uhr machen sich 98 Fahrzeuge zu mehr als 90 Zielen auf den Weg, alle 1,3 Minuten einer. Ein gelb-blaues Gewimmel in gleißendem Licht. Es herrscht Rush-Hour im Dachser Eurohub in Überherrn. Wenn’s richtig brummt, ist Oliver Wild ganz in seinem Element. Der 46-jährige Familienvater ist seit 21 Jahren bei Dachser tätig. In unterschiedlichsten Funktionen an verschiedenen Standorten. Er gehörte auch zum Projektteam, das ab dem Jahr 2000 das erste Eurohub konzipierte und am 30. August 2002 in Überherrn an den Start brachte. Seither leitet er das Eurohub dort.
Überherrn stand am Anfang einer in der Logistik einmaligen paneuropäischen Netzwerkgestaltung, die in diesem Jahr mit dem Start von weiteren Eurohubs im slowakischen Bratislava und im französischen Clermont-Ferrand perfektioniert wurde. „Wir werden mit dem neuen Konzept der drei Eurohubs erreichen, dass die Sendungen bis zur Zustellniederlassung nur ein oder maximal zwei Mal umgeschlagen werden müssen“, erklärt Wolfgang Janda, Bereichsleiter Netzwerkmanagement Produktion European Logistics bei Dachser. „Durch gezielte und systematische Ladungsbündelung können wir mit den drei Eurohubs Ungleichgewichte in den europäischen Verkehrsströmen mit regionalem und nationalem Transportgut ausgleichen. Wir schaffen so eine bessere Auslastung und erhöhen damit die Wirtschaftlichkeit und die Umweltverträglichkeit unserer Transporte.“
„Das Hub-System ist die Konsequenz unseres Verständnisses von Netzkompetenz“, sagt Michael Schilling, Geschäftsführer des Dachser Ressorts European Network Management & Logistics Systems. Das Dachser-Netzwerk setze mit seinen europäischen Landverkehren auf getaktete Verbindungen. Und das täglich. Dafür stehen die Angebote aus der entargo Produktfamilie (targofix, targospeed und targoflex) mit klar definierten Lauf- und Lieferzeiten. Bei hohem Aufkommen sorgen Direktverbindungen im Linienverkehr aus den einzelnen Niederlassungen für Planungssicherheit. „Wo das Volumen für eine tägliche Direktabfahrt nicht ausreicht, bündeln wir in den Eurohubs die Ladungen, kombinieren sie mit regionalem Aufkommen und bringen sie so mit optimal ausgelasteten Transporten in den täglichen Warenfluss ein“, erklärt Schilling.
Lückenloses Netzwerk
Das Prinzip fußt auf dem in der Logistik verbreiteten Hub & Spoke System. Nabe (Hub) und Speiche (Spoke) liefern dazu das konstruktive Vorbild. „Folgt man einer Speiche von der Felge zur Nabe, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten einer Verteilung in alle erdenklichen Richtungen“, sagt Wolfgang Janda. Alle Punkte im Netzwerk müssten jederzeit und verlässlich von jeder Niederlassung erreicht werden können. „Das unterscheidet ein reines Filialsystem von einem effizienten Netzwerk. Daher wollen wir künftig alle europäischen Dachser-Häuser an die drei Hubs anschließen.“ Die Eurohub-Standorte in Überherrn, Bratislava und Clermont-Ferrand seien so gewählt, dass sie das paneuropäische Dachser-Netzwerk in alle Richtungen mit 24- oder 48-Stunden-Verbindungen erschlössen. Und das auf der Grundlage einheitlicher Spielregeln für die Hubs und die einzelnen Länder mit einem gleichen Abrechnungssystem und gleichem EDI-Datenaustausch. „So werden die Hubs zum Enabler eines lückenlosen Netzwerkangebots“, sagt Janda. Und damit der Wachstumsziele von Dachser.
„Wachstum allein ist kein Selbstzweck, sondern muss stets auf das Wohl unserer Kunden ausgerichtet sein“, verdeutlicht der Sprecher der Dachser-Geschäftsführung, Bernhard Simon. „Mit den drei Eurohubs verbinden wir rund 160 Destinationen in 30 europäischen Ländern. Über Plattformverkehre gibt es nun für jede Niederlassung systemmäßige Verlademöglichkeiten.“ Und das Aufkommen ist beachtlich: Europaweit betreibt Dachser derzeit 2.825 Systemverkehre und weitere 800 durch Partner. Allein in Bratislava integriert das dortige Eurohub seit April dieses Jahres 14 Länder zwischen der Ostsee, der Adria und dem Schwarzen Meer: Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Estland, Griechenland, Kroatien, Lettland, Litauen, Österreich, Polen, Rumänien, Serbien, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Clermont-Ferrand schafft tägliche Verbindungen zwischen Frankreich und den Ländern Deutschland, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Italien, Spanien, Portugal sowie den Maghreb-Staaten.
Umschalten
Äußerlich unterscheiden sich die Eurohubs nicht von den Niederlassungen. Tagsüber läuft hier regulärer Niederlassungsbetrieb. Abends wird komplett umgeschaltet: Ab 20.00 Uhr nimmt das Hub seine Arbeit auf. Als eigenständige operative Einheit, mit eigenem Team und eigenen Abläufen. Für den Eurohub-Betrieb in Überherrn beispielsweise sind für Büro- und administrative Tätigkeiten sechs Mitarbeiter zuständig, in der Halle arbeiten zirka 75. Während in den Büros die Computer bereits gegen 18.00 Uhr hochgefahren werden, wird’s in der Halle ab halb neun ernst. Denn dann fährt ein Lkw nach dem anderen an den Toren vor. Bis 23.00 Uhr summieren sich die Ankünfte auf 67. Das heißt, alle 2,4 Minuten kommt ein neues Fahrzeug. Zuerst sind die Lkw aus näher liegenden Relationen an der Reihe, dann die weiter entfernten.
Heute ist um 21.50 Uhr aus dem französischen Orléans ein Hängerzug mit Wechselbrücken in Überherrn eingetroffen. Die dortige Niederlassung hatte er am Nachmittag um 14.30 Uhr verlassen. Nachdem der Fahrer an der Pforte seine Ware angemeldet hat, bekommt er ein Entladetor zugewiesen. Insgesamt nutzt das Eurohub in Überherrn 117 Tore für mehr als 90 Destinationen. 25 Tore dienen der Entladung, der Rest ist für die Verladung reserviert.
Am Tor 83 ist der Entlader schon im vollen Einsatz. Mit dem Hubwagen fährt er die Paletten aus Frankreich von der Wechselbrücke in die Halle zur Unterflurförderkette und hängt sie dort ein. Diese im Boden laufende Kette hat eine Länge von 420 Metern. Sie bewegt sich im Uhrzeigersinn und führt in einer Umlaufzeit von 16 Minuten durch die gesamte Halle zu den jeweiligen Verladetoren. „Ihr Takt bestimmt den Herzschlag unseres minutengenauen Umschlags“, sagt Eurohub-Leiter Wild. Damit die Paletten auf der Kette ihren Weg zu den Bestimmungsorten finden, prangen deutlich sichtbar der Ländercode für Schweden sowie die Relationsnummer auf der eingeschweißten Ware. Sie sind das Zeichen für den „Aushänger“, der die Palette an den Skandinavien-Toren ausklinkt und dem Verlader bereit stellt. Dieser scannt sie ein und verfrachtet sie mit anderem Stückgut über das Skandinavien-Tor in die passende gelbblaue Wechselbrücke, an der schon das Fahrerteam wartet. Dessen nächste Station ist die Dachser-Niederlassung im schwedischen Jönköping, von dort geht es dann weiter nach Stockholm. Ankunft ist am übernächsten Morgen um fünf Uhr in der Früh. Innerhalb von 48 Stunden wird die Palette ihre Europa-Reise vom Absender bis zum Empfänger geschafft haben.
Qualität als Credo
Die minutengenaue Taktung verlangt konzentriertes, kontinuierliches und immer flüssiges Arbeiten. Hektik und Geschrei kommen dabei selbst in Spitzenzeiten, wenn mehr als 4.000 Sendungen und über 1.000 Tonnen pro Tag in der Halle durchlaufen, nicht auf. „Hektik verhindert sorgfältiges Arbeiten“, weiß Oliver Wild. „Das können wir uns nicht leisten. Das Credo unserer Teams heißt: Qualität, Qualität und noch mal Qualität. Denn die hat entscheidende Bedeutung für das gesamte Netz.“ Um diese jeden Tag aufs Neue zu gewährleisten, seien perfekt eingespielte Prozesse das A und O. Die eine Hand müsse immer wissen, was die andere tut. Gerade deswegen ist er auf seine Mitarbeiter besonders stolz. „Wir haben einen hohen Anspruch an uns und versuchen diesen auch immer maximal umzusetzen.“ Reibungslose Abläufe sind für ihn und sein Team die schönste Bestätigung der Arbeit. Am besten lassen sich diese auf der Uhr ablesen. So gilt im Eurohub Pünktlichkeit als das höchste Gebot. Schon eine Abfahrt mit 60 Sekunden Verzug gilt als verspätet. „Wir sind mit unseren zuliefernden Niederlassungen sehr gut eingespielt. Von 98 täglichen Abfahrten war im Juli gerade mal eine zu spät gestartet.“
„Dass die Ware kontinuierlich ‚fließt‘, gehört zum Eurohub-Prinzip“, erklärt Wolfgang Janda. „Wir minimieren so die Umschlagshäufigkeit und damit das Schadensrisiko. Das sind entscheidende Kriterien unserer Kunden für die Gestaltung ihrer Logistik.“ Bei fließenden Prozessen sei ein kontinuierliches Scanning der Transportkette möglich, die über die eLogistics-Anwendungen stets in Echtzeit nachvollzogen werden könne. Das zahle sich aus. „Für die Kunden“, so Janda, „besteht neben der Verlässlichkeit des Systems der große Vorteil darin, dass sie sich mit der Nutzung des mit Eurohubs optimierten Netzwerks etliche regionale Lager sparen und viele Länder bedienen können. Dies sichert Dachser-Kunden einen wertvollen Vorsprung in der Belieferung Europas.“ Und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit.
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Fast 13 Meter lang ist die größte 3D-Kinoleinwand Berlins, die Dachser jetzt für CineStar transportiert hat. Wie Dachser zum Leinwand-Logistiker wird: Film ab! Mehr

